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Letzte Änderung: 04.12.2007

Rollhockey in Deutschland

Stand: Februar 2006


Die ersten Aufzeichnungen über Rollhockey in Deutschland stammen aus dem Jahr 1910. Damals nahm der SERC Stuttgart als erste deutsche Mannschaft an einem internationalen Turnier in Montreux (Schweiz) teil. Das Mutterland des Rollhockeysports ist allerdings England, wo sich insbesondere Herne Bay bereits lange vor dem 1. Weltkrieg als Hochburg entwickelte. Die Engländer dominierten damals bei fast allen internationalen Turnieren und gewannen alle internationalen Titel.

Im deutschen Rollhockey machte in den 20er bis 30er Jahren der 1. FC Nürnberg von sich reden. Der Sport expandierte zunächst nach Hessen (dort gab es 1937 dreizehn Rollhockey treibende Vereine), dehnte sich dann aber flächendeckend über Deutschland bis hin nach Krefeld oder Berlin aus. Durch den zweiten Weltkrieg wurde diese positive Entwicklung bis zur WM 1950 in Mailand unterbrochen. Danach breitete sich der Rollhockeysport auch im Ruhrgebiet aus. In Nordrhein-Westfalen liegt heute noch mit 8 von 10 Bundesligisten das sportliche Leistungszentrum.

Die bekanntesten Rollhockeysportler sind IOC Präsident Juan Antonio Samaranch sowie der langjährige NOK Präsident Willi Daume, der in den Nachkriegsjahren in Dortmund dem Hartgummiball auf Rollschuhen nachjagte.

Internationale Meisterschaften wie Welt- oder Europameisterschaften werden seit Jahren von den Südeuropäern (Portugal, Spanien und Italien) bzw. den Südamerikanern (Argentinien, Brasilien) beherrscht, wo der Sport in den höchsten Ligen professionell betrieben wird und die in den letzten Jahren die Medaillen unter sich verteilten. Dort erreicht Rollhockey fast die Popularität von "König Fußball", denn nicht selten werden Spitzenspiele vor 10000 oder sogar mehr Zuschauern ausgetragen.

Die besten deutschen Platzierungen waren bei der EM 1973 in Iserlohn der Gewinn der Bronzemedaille, Platz 4 bei der WM 1974 sowie Platz 4 bei der EM 1994 in Wuppertal. Ansonsten war die deutsche Rollhockey-Nationalmannschaft gut bedient, wenn sie wie 1997 in Wuppertal mit Platz 7 bei der A-WM einen mittleren Platz belegte. Und wie verbreitet der Rollhockeysport über die ganze Welt ist, zeigt, dass alle zwei Jahre neben der A-Weltmeisterschaft - die nächste findet im Juni 99 in Reus (Spanien) statt - eine B- und C-Weltmeisterschaft mit Auf- und Abstieg ausgetragen werden. Den größten Erfolg als deutsche Vereinsmannschaft konnte bisher Rekordmeister RESG Walsum erringen, als die Duisburger als bisher einziges deutsches Team ein Europacup-Finale erreichten.

Die 1967 gegründete Rollhockey-Bundesliga gehörte zu den ersten Bundesligen in Deutschland. Aufgrund von unsicheren Witterungsbedingungen bei großen räumlichen Entfernungen entwickelte sich der Rollhockeysport zwangsläufig vom Freiluftsport zum Hallensport. Aber auch in Sachen Schnelligkeit, Technik und erlaubtem körperlichem Einsatz gab es einen großen Wandel. Die von den Südeuropäern initiierten "Antispielregeln" bewirkten, dass sich Rollhockey zu einer der schnellsten und technisch schwierigsten Sportarten entwickelte. Ein guter Rollhockeyspieler muss seine Rollschuhe perfekt bei allen Laufrichtungen beherrschen, benötigt zur Ballkontrolle und Schusstechnik große technische Fähigkeiten, muss sich an die taktischen Varianten einer Mannschaftssportart anpassen und benötigt eine erstklassige körperliche und konditionelle Verfassung, um bei dem rasanten Mannschaftsspiel mithalten zu können.

Die Ausrüstung eines Rollhockeyspielers besteht aus dem Handwerksgerät Rollschuhe und Schläger sowie der Schutzkleidung, zu der Knieschoner, Handschuhe, Schienenbeinschoner und Unterleibsschutz gehören. Ein Rollhockey-Torwart ist durch große Beinschienen sowie durch Schulter- und Brustschutz zusätzlich gegenüber den Feldspielern gesichert.

Schon in frühen Jahren müssen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt werden, damit sich aus einem jugendlichen Rollhockeyspieler ein Spitzensportler entwickeln kann, der den Anschluss an den internationalen Leistungsstand halten kann. Daher wird hier in Deutschland Rollhockey in den verschiedenen Altersklassen (Junioren, A-, B-, C- und D-Jugend) auf Landesebene gespielt und nationale Titelkämpfe ausgetragen. Seit etwa 18 Jahren spielen in Deutschland auch Frauen Rollhockey. Die Initialzündung ging von Niedersachsen aus und hat mittlerweile in kurzer Zeit in ganz Deutschland Fuß gefasst. Seit einigen Jahren wird der Deutsche Meister bei den Damen auch in einer Bundesligasaison ermittelt. An der ersten Damen-Weltmeisterschaft nahmen 1994 fünfzehn Nationen teil. Bei der vierten Damen-WM in Argentinien konnte das Deutsche Team sensationell durch einen 2:1 Sieg über Brasilien die Bronzemedaille erringen. Bei der 1999 im eigenen Land (Springe) stattfindenden EM gewannen die Deutschen Frauen Bronze, bei der im Jahr 2000 in Marl stattfindenden Damen-WM erreichte Deutschland Platz vier. Der größte Erfolg gelang aber 2003 im französischen Coutras, als die Deutschen Rollhockey-Damen zum ersten Mal den Europameistertitel gewannen. In diesem Jahr steht wieder eine WM an, die 2006 in Chile stattfinden wird.

Auch im internationalen Bereich wird erfreulicherweise Wachstum deutlich. Seit dem Fall des "Eisernen Vorhanges" tut sich in Sachen Rollhockey auch einiges in Ost- und neuerdings auch in Nordeuropa. Gab es bei der ersten Rollhockey-WM 1937 in Stuttgart nur 7 teilnehmende Nationen, so wurde bei der FIRS (Federation International de Roller-Skating) 1998 bei der B-WM in Macao die Einführung eine C-WM-Gruppe beschlossen. Die Rollhockey-Demonstration bei der Olympiade 1992 in Barcelona war eine gelungene Angelegenheit, reichte allerdings nicht zum Durchbruch zur olympischen Sportart. Hier ist die Sportart Rollhockey im Begriff einen neuen Anlauf zu nehmen, um die langfristige Zielsetzung Olympische Sportart zu werden zu erreichen.

Die Deutschen Rollhockey Herren verteidigten in den letzten Jahren die Zugehörigkeit zur A-WM-Gruppe. Obwohl das deutsche Team gegen die Nationen wie Argentinien, Portugal, Spanien, Italien oder Brasilien, wo Rollhockey professionell betrieben wird, kaum eine Chance hat, war bei der letzten A-WM in den USA ein deutlicher Aufschwung zu verspüren. Etwas unter Wert belegte Deutschland bei der WM 2005 den neunten Rang.

Klaus Wulfmeier, im Februar 2006